4. September 2016

Ehrenamt braucht Orte (K1, 13.06.2016)

Parteitag der SPD Bochum – 13. Juni 2016 – Jahrhunderthaus Bochum

Antragsnummer: K1
Antragsteller: SPD-Stadtbezirk Bochum-Ost
Betreff: Ehrenamt braucht Orte

SPD Stadtbezirk Bochum-OstDer Unterbezirksparteitag möge beschließen:

Die SPD Bochum sieht mit großer Sorge, dass in zunehmendem Maße Vereine, Verbände, Organisationen, Initiativen, Netzwerkgruppen, sozial engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich zu selbstorganisierten Netzwerken wie in der Flüchtlingshilfe zusammengeschlossen haben, und auch die örtlichen Gliederungen der Parteien in den einzelnen Stadtbezirken und Stadtteilen kaum noch Orte und damit Räume finden, in denen sie sich treffen, ihre Arbeit planen und vorbereiten, und damit letztlich auch die jeweilige Organisationsstruktur aufrecht erhalten können.

Gab es in früheren Zeiten in allen Stadtteilen und Vororten ausreichend Gaststätten, die nicht nur über entsprechende Räume verfügten, sondern diese Gruppen auch gerne zu ihren regelmäßigen Stammgästen zählten, so sieht die Situation heute ganz anders aus. Die Zahl der Gaststätten mit entsprechenden Räumlichkeiten hat signifikant abgenommen. In vielen Fällen wurden frühere separierte Nebenräume (Hinterzimmer) in die Gaststätte integriert oder zu Räumen für Speiselokalen umgewandelt. Kirchengemeinden sind aufgrund der finanziellen Situation gezwungen, ihre Gemeindehäuser oder Räume aufzugeben, oder aber sie erheben für jede Raumnutzung Nutzungsentgelte, die für selbstorganisierte Netzwerkstrukturen und auch für Vereine auf Dauer nicht finanzierbar sind. Öffentliche Räume wie Schulen, Jugendfreizeithäuser, Seniorentreffs oder ähnliches stehen – wenn überhaupt – auch nur noch sehr begrenzt für Treffen der verschiedenen Gruppen zur Verfügung.

Damit hat sich die Situation für aktives Vereinsleben vor Ort stark verändert. Bei gleichzeitig sinkenden Mitgliederzahlen und einem erkennbaren Rückgang der Aktiven, die sich auch für die Vorstandsarbeit in Vereinen interessieren, erschweren solche Entwicklungen die Vereins- und Organisationsarbeit in unserer Stadt. Diese Entwicklungen machen ein aktives, vielfältiges, regelmäßiges Vereins- und Organisationsleben in unserer Stadt immer schwieriger. Sehr häufig müssen die verschiedenen ehrenamtlichen Gruppierungen ihre Treffen, Sitzungen und Veranstaltungen bereits heute nach der Verfügbarkeit von Räumlichkeiten terminieren. Damit bestimmt nicht mehr die inhaltliche Arbeit den Sitzungsrhythmus, sondern die organisatorischen Rahmenbedingungen bestimmen die inhaltliche Arbeit.

Das ist eine gefährliche Entwicklung, die in den Blick genommen und politisch aufgearbeitet werden muss.

Bochum ist eine lebendige, solidarische und tolerante Stadt, die ganz maßgeblich durch vielfältige Vereine, Organisationen und ehrenamtliche Arbeit geprägt ist. Diese Stärke unserer Stadt gilt es zu bewahren und zu fördern. Und zu Recht, ist Bochum stolz auf die Vielfalt des ehrenamtlichen Engagements innerhalb und außerhalb von Vereins- und Organisationsstrukturen.

Deshalb brauchen wir in unserer Stadt dringend eine Lösung für das beschriebene Problem, das ohne aktives Gegensteuern noch zunehmen wird. Deshalb braucht Bochum Orte für das Ehrenamt.

Daher stellt der Unterbezirksparteitag der Bochumer SPD fest:

  1. Die SPD Bochum bedankt sich bei dem vielfältigen und aktiven ehrenamtlichen Engagement in Bochum. Neben den unverzichtbaren Aufgaben, die durch das Ehrenamt geleistet werden, trägt ehrenamtliches Engagement zur Stärkung des inneren Zusammenhalts unserer Gesellschaft bei und fördert damit die Teilhabe am gesellschaftlichen, öffentlichen und politischen Leben. Letztlich ist ehrenamtliches Engagement auch ein Beitrag zur Stärkung der Demokratie.
  2. Das Ehrenamt in Bochum und seine Organisationen sind daher zu unterstützen und zu fördern. Ideelle und anerkennende Unterstützungen alleine reichen aber nicht mehr aus, da sich die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt verändert haben.
  3. Ehrenamt benötigt deshalb unterschiedliche Formen der Anerkennung, Wertschätzung und Unterstützung. Eine wesentliche Rahmenbedingung und damit auch eine wesentliche Voraussetzung für die Aufrechterhaltung unserer Ehrenamtslandschaft sind Orte und Räume, an denen sich Vereine, Organisationen, Verbände und Parteien treffen können. Da solche Räume aber im zunehmenden Maße fehlen, braucht das Ehrenamt Räume mitten in unserer Stadtteilen und Stadtbezirken.

Der Unterbezirksparteitag der SPD Bochum beschließt daher:
Die SPD-Ratsfraktion der Stadt Bochum soll ein kommunales Konzept zur Unterstützung des Ehrenamtes in unserer Stadt entwickeln, bzw. sich für die Erarbeitung eines solchen Konzepts, das die Raumprobleme löst, bei der Stadt Bochum einzusetzen.

Denkbar und zu prüfen ist dabei, die Nutzung oder Umgestaltung vorhandener öffentlicher Gebäude und ein entsprechendes Management zur Nutzung durch die Vereine, Organisationen und Initiativen. Weiterhin sollten bei größeren Neubaumaßnahmen und städtebaulichen Entwicklungen entsprechende Räume für die gemeinschaftliche Nutzung durch Vereine, Organisationen und Initiativen eingeplant werden.
In unserer Stadt existierende Bürgerhäuser oder Bürgertreffs sind zu erhalten, in dieses Konzept einzubeziehen und unter dem Gesichtspunkt der Ermöglichung des ehrenamtlichen Engagements und der Vereinsarbeit vor Ort, weiterzuentwickeln.

Erfahrungen anderer Städte und auch anderer Bundesländer sollen einbezogen werden, um ein Bochumer Modell „Orte für Vereine“ zu konzipieren. Ein entsprechendes Modellprojekt sollte im Jahr 2017 starten, um die Übertragbarkeit auf die gesamte Stadt zu prüfen. Selbstverständlich kann ein solches Modellprojekt auch durch einen Wohlfahrtsverband oder andere freie Träger oder in Zusammenarbeit mit einem solchen durchgeführt werden. Die Gesamtverantwortung sollte aber bei der Kommune bleiben, da Orte für Vereine durchaus auch in einem weit verstandenen Sinne zur kommunalen Daseinsvorsorge gezählt werden können.

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